Voltigieren
Fast genauso lange, wie Menschen mit Pferden umgehen, gibt es auch das Turnen auf dem Pferd. Auch bekannt unter den Begriffen Kunstreiten oder Voltigieren.Schon zur Zeit der Etrusker war es üblich mit dem Pferd Wettkämpfe und Wettspiele zu veranstalten. Zahlreiche Schriften zeugen davon und sogar in ihren Gräbern finden sich noch heute Abbildungen, aus denen klar hervorgeht, dass mehrere Reiter ihr Können auf dem Pferd darbieten. Man geht davon aus, dass das Turnen am und auf dem Pferd zu den ältesten Sportarten gehört.
Das ist eigentlich nicht verwunderlich und vermutlich hat sich das Voltigieren von ganz allein entwickelt. Könnte man heute in die Vergangenheit schauen, würde das Zureiten der ersten Pferde sicherlich spontan an das heutige Voltieren erinnern. Was damals wie heute wohl noch genau gleich ist, ist die Art und Weise auf den Pferderücken zu gelangen. Das Pferd galoppiert beim Versuch sich dem Reiter zu entziehen, während der Reiter nebenher läuft und sich im richtigen Augenblick kraftvoll abstößt, den Griff fest in der Pferdemähne und sich mit Schwung im Takt des Galoppschrittes auf den Pferderücken zieht. Das wird nicht immer auf Anhieb geklappt haben und mancher Versuch endete mit dem ebenso schnellen Abgang auf der anderen Seite des Pferdes.
So ähnlich sehen noch heute die ersten Stunden aus, die ein Turner während des Voltigierunterrichts erlebt. Wenngleich die Pferde natürlich schon zugeritten sind. Was so leicht und spielerisch aussieht, wenn die Reiter vom Boden aus auf das Pferd schweben, ist das Ergebnis harten Trainings. Gute Kondition ist Voraussetzung für diese Sportart. Ist die erste Hürde geschafft, gelingt es dem Reiter also im Takt des Pferdes mitzulaufen und sich auf dessen Rücken zu schwingen, beginnt das Absprungtraining, das nach Möglichkeit ebenso elegant und leichtfüßig aussehen soll. Erst wer diese Grundlagen beherrscht, geht zur nächsten Stufe weiter. Einfache Übungen sind die Schritte auf dem Weg zu einer vollendeten Voltigierleistung. Zunächst wird das freihändige Reiten geübt, dann das Reiten im seitlichen Sitz, das drehen auf dem Pferderücken und schon bald folgen die ersten Versuche, kniend auf dem galoppierenden Pferd das Gleichgewicht zu halten. Wer bis dahin durchgehalten hat, wird zu denen gehören, die Spaß und Freude an diesem Sport haben und sicher weiterlernen will. Die nächste Schwierigkeitsstufe braucht Mut. Sich auf einem galoppierenden Pferd langsam aufzurichten, bis zum vollen Stand, erfordert einen guten Gleichgewichtssinn und ein Gefühl für die Bewegungen des Pferdes, auf die der Reiter sich ganz und gar einlassen muss.
All dies funktioniert nur mit einem charakterlich zuverlässigen Pferd, das sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Sein Galopp muss weich und gleichmäßig sein und einem immer gleichen Rhythmus folgen.
Für kleinere Kinder gibt es Voltigier-Ponys. Reitschulen bieten das immer öfter an, manche noch vor dem eigentlichen Reitunterricht. Reitanfänger bekommen während des Voltigierens einen besseren Zugang zum Pferd, der direkte Kontakt mit dem Pferderücken lässt die Kinder ein sicheres Gefühl für die Gangarten bekommen. Seltsamerweise sind Stürze vom Voltigierpferd schnell vergessen und fallen weniger hart aus, als ein Sturz vom gesattelten Pferd während des Reitunterrichts. Kinder, voltigiert haben, reiten ohnehin sicherer und halten sich auch dann auf dem Pferderücken, wenn so ein Vierbeiner einmal "seine verrückten 5 Minuten" hat und ein wenig herumbockt.